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Die Hundenase – Superorgan mit Millionen Riechzellen 🐶👃

  • Autorenbild: Beat Keller
    Beat Keller
  • 22. Aug. 2024
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Okt. 2025

Wissen Hundeschule: Die Nase - ein Wunder der Natur

Dieses Mal in Wissen Hundeschule widmen wir uns einem ganz besonderen Sinnesorgan: der Nase des Hundes. Sie ist weit mehr als nur ein Werkzeug zum Schnüffeln – sie ist das zentrale Wahrnehmungsorgan für unsere Vierbeiner und öffnet ihnen eine Welt, die für uns Menschen unvorstellbar bleibt.


Hunde gehören zu den Makrosmatikern

Als sogenannte Makrosmatiker besitzen Hunde – wie viele Raubtiere oder Huftiere – einen extrem ausgeprägten Geruchssinn. Während wir Menschen vor allem visuell geprägt sind, „sehen“ Hunde die Welt vor allem mit ihrer Nase.

Die olfaktorische Wahrnehmung erfolgt über die Riechschleimhaut. Und hier liegt der erste große Unterschied:

  • Mensch: ca. 10 cm² Riechschleimhaut

  • Hund: ca. 50 cm² Riechschleimhaut

Möglich wird das durch die längere Schnauze und die fein verästelte Struktur der Riechschleimhaut beim Hund.


Millionen Riechzellen – eine Welt der Düfte 🌍

Die Zahlen sprechen für sich:

  • Mensch: 5–22 Millionen Riechzellen

  • Hund: ca. 300 Millionen Riechzellen

Auch in der Unterscheidungskraft liegen Welten: Wir Menschen können rund 10.000 Gerüche differenzieren, Hunde hingegen bis zu 1 Million.

Besonders spannend: Hunde können selbst entscheiden, welcher Geruch für sie relevant ist und welche Eindrücke sie ausblenden. Zudem erkennen sie beim Einatmen, ob ein Geruch von links oder rechts kommt.

Das erklärt, warum Hunde bei Sucharbeiten oft innehalten, die Nase in die Luft recken und scheinbar „lauschen“. Sie nehmen feinste Unterschiede wahr, sortieren Gerüche und filtern genau das heraus, was sie suchen.


Warum Nasenarbeit anstrengend ist

So faszinierend die Hundenase ist – Nasenarbeit ist für Hunde geistig sehr anstrengend. Gerade im Training sollten deshalb kurze Sequenzen gewählt und regelmäßige Pausen eingelegt werden. Überforderung würde sonst schnell zu Frust oder Müdigkeit führen.


Geruchsidentifikation & Geruchsdifferenzierung

Man unterscheidet in der Nasenarbeit zwei Stufen:

  • Geruchsidentifikation: Der Hund soll ein bestimmtes Objekt oder eine Person anhand des Duftes finden.

  • Geruchsdifferenzierung: Eine gesteigerte Form – hier muss der Hund den gesuchten Geruch von ähnlichen abgrenzen.


👉 Beispiel: Der Hund soll Leckerlis mit dem Duftprofil „Wild pur“ finden, während im Umfeld bewusst „Wild-Mix mit Lachsgeschmack“ als Ablenkung ausgelegt wird. Ziel ist, dass der Hund nur die gewünschten Leckerlis anzeigt.


Praktische Übungsbeispiele für Nasenarbeit 🐾

Das Schöne: Nasenarbeit lässt sich einfach in den Alltag integrieren. Hier ein paar Übungen, die Hund und Mensch gleichermaßen Spaß machen:


1. Leckerli-Suchspiel zuhause 🍪

Verteile kleine Leckerlis im Wohnzimmer, unter einem Teppich oder hinter Möbeln. Dein Hund soll sie mit der Nase aufspüren. Steigere den Schwierigkeitsgrad, indem du die Verstecke trickreicher wählst.


2. „Drei-Becher-Spiel“ 🎲

Stelle drei Becher auf den Boden und verstecke ein Leckerli unter einem davon. Lass den Hund schnüffeln und den richtigen Becher anzeigen. Variation: verschiedene Objekte oder Gerüche verwenden.


3. Geruchsdifferenzierung 🦴

Lege zwei ähnliche Leckerli-Sorten aus – z. B. Rind vs. Wild. Belohne den Hund nur dann, wenn er den zuvor „markierten“ Duft (z. B. Wild) findet. Das trainiert Konzentration und Geruchsauswahl.


4. Sucharbeit unterwegs 🌲

Auf Spaziergängen kannst du Futterstücke oder kleine Dummys am Wegesrand verstecken. Dein Hund soll sie suchen und anzeigen. Ideal, um den Spaziergang spannender zu gestalten.


5. Spur legen 🐕‍🦺

Ziehe ein Leckerli oder einen Duftgegenstand über eine kurze Strecke (z. B. im Garten) und lass deinen Hund die Spur verfolgen. Perfekt für den Einstieg in die Fährtenarbeit.


Einsatzbereiche der Hundenase 🐾

Die Nase des Hundes ist nicht nur im Alltag, sondern auch in vielen Berufen unverzichtbar. Zu den klassischen Einsatzfeldern gehören:

  • Fährtenarbeit – als jagdliche Ersatzaufgabe oder im Hundesport

  • Mantrailing – das Verfolgen individueller Personenspuren

  • Rettungshundearbeit – etwa beim Aufspüren Verschütteter

  • Assistenzhundewesen – z. B. bei Diabetes-, Epilepsie-, Krebs- oder Schlaganfallwarnhunden

  • Diensthundewesen – etwa bei Polizei, Zoll oder Militär


Nasenarbeit als Beschäftigung für jeden Hund

Das Schöne: Nasenarbeit ist eine artgerechte Auslastung, die fast alle Hunde lieben – vom energiegeladenen Junghund bis zum Senior. Sie fordert den Hund geistig, sorgt für Entspannung und stärkt die Bindung zwischen Mensch und Tier.

In meinen Lernspaziergängen baue ich regelmäßig kleine Suchaufgaben ein. Denn:

  • Sie machen Hund und Halter Spaß 🎉

  • Sie fördern Konzentration und Ruhe

  • Sie lassen sich einfach in den Alltag integrieren


Fazit

Die Nase ist für Hunde weit mehr als ein Sinnesorgan – sie ist ein Schlüssel zu einer Welt voller Informationen. Wer die enorme Leistungsfähigkeit versteht, erkennt, wie wertvoll Nasenarbeit als Training und Beschäftigung ist. Egal ob spielerisch zuhause oder professionell im Hundesport: Die Hundenase ist ein wahres Superorgan.




 
 
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